Ah, die Ecke hat mich immer wegen ihrer eigentümlichen Ortsnamen fasziniert.
Eine Antwort im Usenet, in das ich weitere Fragen bzgl. meiner Familie gepostet hatte. Es geht dabei um die Gegend, aus der mein Großvater kam: Ostpreußen.
Besagte Orten hießen früher (vor der russischen Besetzung 1945) durchaus mal Schulzenwalde, Kleinstangenwald, Kubbeln, Adamshausen, Kieselkeim oder Jägersfreude. Viele der Orte haben sicherlich schweizerischen Ursprung oder wurden von Exil-Österreichern gegründet – komisch hört es sich bisweilen aber durchaus an, was man als “Westdeutscher” bei der Recherche so vor die Augen bekommt.
Überhaupt. Recherche.
Wer Ahnenforschung als Hobby sieht, was man mal so nebenbei machen kann, der hat das offenbar noch nicht intensiv genug angefangen.
Ich habe irgendwann mal mit den Daten meines Großvaters meine Suche gestartet. Inzwischen bin ich schon zwei Generationen tiefer in die Vergangenheit eingetaucht.
Vor 10, 15 Jahren hat mit derlei noch nicht wirklich interessiert. Aber jetzt, wo die Eltern und Großeltern immer älter werden, habe ich “plötzlich” den Wunsch, das viele Wissen nicht verloren gehen zu lassen.
Einige Familienangehörigen sind sicherlich schon recht gestresst, ob meiner multiplen Anfragen. ‘Habe ich auf Basis einer Informationen, weitere Neuigkeiten herausgefunden, wird diese dann erneut hinterfragt. So bleibt alles im Fluß.
Neben der menschlichen Recherche, die die ältesten Zeitzeugen in der Familie einschließt, erfährt man aber allein schon über’s Internet jede Menge. Vor allem kann man Dokumente, die zumeist nur in altdeutscher Schrift vorliegen, so nach einer “Übersetzung” auf Stimmigkeit überprüfen.
Alles sehr, sehr interessant. Und ganz nebenbei macht man Omas und Opas sogar eine Freude, indem man sich für ihr Leben interessiert. Für ein Leben, dass fast ein Jahrhundert zurückliegt und sich in einer ganz anderen Zeit abspielte.
Parallel gibt es – sowas weiß man vorher alles gar nicht – diverse Möglichkeiten alte Dokumente einzusehen. Da wären zunächst einmal die Standesämter. Dort liegen Familien- und Stammbücher. Liegt es zu weit in der Vergangenheit, helfen die jeweiligen Stadtarchive.
Schwierig wird es erst (und da bin ich gerade), wenn wir hier über alte Dokumente aus Teilen Ostpreußens reden, die jetzt zu Russland gehören und im Original vielleicht gar nicht mehr existieren.
Drei (Haupt-)Anlaufstellen sind mir hier aufgefallen.
1. Die “Mormonen”
Die Kirche Jesu Christi – so der offizielle Titel – mag nicht meine Kirche sein, aber aus religiösen Gründen (gehe ich nicht näher drauf ein), haben sie es sich seit dem vorletzten Jahrhundert zur Aufgabe gemacht, “die Ahnen lebendig zu halten”. Die Archivierung aller auf der Welt verfügbaren Daten und Dokumente zu diesem Thema ist ihre Herangehensweise.
Das bevorzugte Medium – Mikrofilm – kann man sich in lokalen Informationszentren anschauen (relevante Filme werden bestellt und liegen dann regional vor und sie sich vor Ort anzuschauen und auszudrucken).
Eine Online-Recherche erleichtert die Vorabauswahl.
2. Die Deutsche Zentralstelle für Genealogie
Zitat Wikipedia:
Die Deutsche Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig ist eine dem Staatsarchiv Leipzig als Referat 33 eingegliederte Einrichtung des Sächsischen Staatsarchivs und hat die Aufgabe, aus dem gesamten deutschen Sprachraum personen- und familiengeschichtliche Publikationen, insbesondere auch ungedruckte Vorarbeiten dazu, zu sammeln, zu archivieren, zu sichern, zu erschließen und der interessierten Öffentlichkeit sowie zur Unterstützung wissenschaftlicher Forschungen im Rahmen historischer, soziologischer, demographischer, namenkundlicher, humangenetischer oder juristischer Fragestellungen bereitzustellen.
Und weiter:
In Leipzig bestand bereits von 1904 bis 1967 eine “Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte”. Diese Einrichtung war für die Genealogie eine Institution mit Weltruf. [...] Der historische Zufall hat es darüber hinaus gewollt, dass sich 1945 der Großteil der Bestände des Reichssippenamtes auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone befand, die nach 1945 im “Deutschen Zentralarchiv für Genealogie” erst in Berlin, dann in Potsdam zusammengeführt worden sind. 1967 wurden dieses Archiv [...] in das Vermögen der “in diesem Jahr neu gegründeten Zentralstelle für Genealogie in der DDR überführt” [...] und im früheren Reichsgerichtsgebäude in Leipzig der öffentlichen Benutzung wieder zugänglich gemacht.
Für Ahnenforscher der östlichen Gebiete ein Paradies. Angeschrieben habe ich sie sogar auch schon. Mal will mir in Kürze offenbar eine “Benutzerdatei” schicken. Vermutungen im Usenet ergaben, dass dies Zugangsdaten für den Archiv-Katalog sind, um mir eine Vorauswahl an relevanten Dokumenten zu ermöglichen, die mir dann wiederum in Kopie zur Verfügung gestellt werden. Mal abwarten. Persönlich vor Ort kann man übrigens auch recherchieren.
3. Standesamt I in Berlin
Zitat GenWiki:
Das als so genanntes Auslandsstandesamt tätige Standesamt I in Berlin besitzt ca. zwei Millionen Standesamtsurkunden (Geburten, Heiraten, Todesfälle) aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten (aus über 1400 ehemaligen deutschen Standesämtern) aus der Zeit von 1874 bis 1945 und kann Kopien von diesen Urkunden anfertigen.
Ebenfalls perfekt. Schriftliche Anfrage werden nach Reihenfolge ihres Eingangs abgearbeitet. Dies ergab zeitweise eine Wartezeit von sechs bis neun Monaten. Aufgrund eines Schimmelpilzbefall im Jahre 2006 konnten über acht Monate keine Anträge bearbeitet werden. In diversen Foren las ich von einem gewissen “Bearbeitungsstau”. Die höchste aktuell gültige Zahl, für aktuelle Wartezeiten lag bei zwanzig Monaten!
Ahnenforschung erfordert Geduld…
Achso.
Wer dies liest und Zugang zu Kirchenbüchern, Stammbüchern und Ähnlichem hat:
Ich benötige derlei für die Orte Gumbinnen, Niebudszen (Niebudschen, später Herzogkirch), Mingstimmen (später Angerfelde), Kummeln (bzw. Amtbezirk Kattenau, bzw. Kreis Stallupönen (später Ebenrode) und Warkallen (später Roloffseck).
Alles ab 1925 und älter.
Irgendjemand? Irgendwas?
1,154 mal gelesen
10. Juni 2009 um 00:25
Forscher sollten auch Kontakt untereinander pflegen. Hierzu eignet sich hervorragend die überregionale famint-Liste familienforschung international mit über 600 Teilnehmern, die sich gegenseitig helfen, den Weg weisen und unterstützen.
Darüber hinaus sind hier mehr als 2000 Links / Verweise aus allen möglichen Forschungsgebieten direkt anklickbar, auch zu den Gebieten östlich von Oder und Neiße sowie Mittel-, Ost- und Südosteuropa.
Im Gegensatz zu gewerblichen Ahnenforschern ist hier alles kostenlos. Da es sich um eine geschlossene Liste handelt, ist Registrierung erforderlich: “Joachim” anklicken …
Dann kann es losgehen: Fragen stellen und ggf. andere unterstützen. Viel Erfolg.
10. Juni 2009 um 13:53
@Joachim: Danke für den Tipp. Werd’ ich mal vorbeischauen.
13. Juli 2009 um 21:09
[...] erwähnt, gibt es diverse Quellen, in denen man nach seinen Ahnen recherchieren kann. Mit der Deutschen [...]